Im Notfall Feierabend


EU-Bürokratie nervt Freiwillige Feuerwehr

 

Die EU will den Freiwilligen Feuerwehren im Land vorschreiben, wieviele Stunden sie pro Woche arbeiten dürfen. Der Feuerwehrverband NRW sieht dadurch die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr in Gefahr.


Alarm für Bürgermeister Jan Heinisch. Wenn er dieses Geräusch hört, zählt sein Rathausjob nicht mehr. Als stellvertretender Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenhaus muss Heinisch oft ausrücken. Mal tags, mal nachts. Auf die Uhr guckt er dabei nie, und seine Leute tun es auch nicht. Demnächst aber sollen Heinisch und die anderen freiwilligen Feuerwehrleute unter eine EU-Richtlinie fallen, die ihre gesamte Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden begrenzt. So haben es sich die Bürokraten in Brüssel ausgedacht. Sie wollen die Feuerwehrleute vor Überlastung schützen - die aber wollen gar nicht geschützt werden.

"Dann müssen die Leute mitten im Einsatz ihre Sachen, ihre Ausrüstung fallenlassen. Dann wäre plötzlich mittendrin Schluss. Das ist natürlich schwer vorstellbar", beschwert sich Heinisch. "Wie hier jetzt im Fahrzeug: Ich kann jetzt nicht mehr, weil mein Stundenkontingent voll ist. Das ist völlig irreal, so kann man also auf keinen Fall hier noch einen gescheiten Bevölkerungsschutz sicherstellen", erklärt der Feuerwehrmann.


Kaum noch Zeit für die Feuerwehr


Auch Heinisch dürfte zukünftig nicht mehr löschen, ist er doch schon pro Woche 55 Stunden als Bürgermeister im Einsatz. Probleme aber bekämen auch viele andere Kollegen, zum Beispiel Niklas Madeia. Er trainiert eine gefährliche Situation: Wohnungsbrand - es droht eine Explosion. Da hilft nur, flach auf den Boden legen und mit Wasser kühlen. In seinem sonstigen Leben macht Madeia eine Ausbildung zum Mechatroniker, 40 Stunden pro Woche. Hinzu kommen die Lehrgänge bei der Freiwilligen Feuerwehr. "Im Moment mache ich noch einen Lehrgang zur Absturzsicherung. Plus den Übungsdienst noch, dann kommen wir auf eine Gesamtstundenzahl von etwa neun Stunden pro Woche", rechnet Madeia vor. Käme die Arbeitszeitbegrenzung, dürfte also auch er nicht mehr in den Einsatz.

 

Einschränkungen – beim Job oder freiwilligen Dienst?


Ähnlich ergeht es Tanja Dippel. Die leitende Angestellte übt mit einer anderen Feuerwehrfrau, einen Schlauch in den dritten Stock zu verlegen. Oft kommt Dippel schon in ihrem eigentlichen Beruf auf 45 Stunden pro Woche. Für die Feuerwehr bliebe auch für sie dann kaum noch Zeit. "Für mich würde das bedeuten, dass ich die Tätigkeit hier eigentlich aufgeben muss, weil man die halb nicht ausführen kann", erklärt Dippel. "Und wenn ich's nicht machen kann von der gesetzlichen Regelung her, dann muss ich mich einschränken - und das würde ich nicht auf der Arbeit tun, weil ich einfach bei meiner Arbeit mein Geld verdiene, wovon ich meine Familie ernähre."

Hinzu kommt, dass sie und ihre Kollegen zukünftig nach einem Nachteinsatz erstmal elf Stunden Pause machen müssten. Auch das steht in der Richtlinie. Tanja Dippel ist sich sicher, dass ihr Arbeitgeber das nicht auf Dauer mitmachen würde.


Begrenzung ist "wichtiges Ziel der EU"


Trotzdem bleiben die EU-Bürokraten bislang hart: Feuerwehrmann sein, das sei anstrengend und gefährlich. Auch das Ehrenamt soll daher zukünftig unter die Arbeitszeitrichtlinie fallen. Henning Arp von der Regionalvertretung der Europäischen Kommission erklärt hierzu: "In der Grundrechte-Charta der Europäischen Union ist die Begrenzung der Höchstarbeitszeit festgelegt. Hier handelt es sich also um ein ganz wichtiges Ziel der EU. Gleichzeitig sind wir uns der besonderen Bedeutung der freiwilligen Feuerwehren bewusst", erklärt Arp.

 

Ausnahmen nur bei Katastrophen?


Was das bedeuten könnte, schreibt der zuständige EU-Kommissar in einem Brief an den Verband der europäischen Feuerwehrleute: Denkbar seien Ausnahmen bei Naturkatastrophen, Anschlägen oder Großunfällen. Doch was würden diese Ausnahmen bringen? Jan Heinisch ist nicht nur Bürgermeister von Heiligenhaus, sondern auch Chef des Landesfeuerwehrverbandes. Und spricht für alle 365 freiwilligen Wehren in NRW: "Ich kann mich gar nicht richtig entsinnen, wann wir in hier Heiligenhaus ein Großschadenereignis, also quasi eine Katastrophe gehabt haben. Was uns bewegt, ist der Einsatzalltag, die Kleinigkeiten, mal ein Wohnungsbrand, mal Verkehrsunfälle, das ist unser wirklicher Alltag. Alles andere ist sicherlich wichtig, daran zu denken und auch dafür zu üben, aber es kommt zum Glück so gut wie nie vor", so Heinisch.

Der Alltag aber ist durch die EU-Arbeitszeitrichtlinie gefährdet: Heinisch will daher, dass sie gar nicht erst für die Freiwillige Feuerwehr gilt. Denn sonst wäre für die 80.000 freiwilligen Feuerwehrleute in ganz Nordrhein-Westfalen der Einsatz wohl zu Ende.

 

Quelle: www.wdr.de

 

Die EU will den Freiwilligen Feuerwehren im Land vorschreiben, wieviele Stunden sie pro Woche arbeiten dürfen. Der Feuerwehrverband NRW sieht dadurch die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr in Gefahr. 

Alarm für Bürgermeister Jan Heinisch. Wenn er dieses Geräusch hört, zählt sein Rathausjob nicht mehr. Als stellvertretender Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenhaus muss Heinisch oft ausrücken. Mal tags, mal nachts. Auf die Uhr guckt er dabei nie, und seine Leute tun es auch nicht. Demnächst aber sollen Heinisch und die anderen freiwilligen Feuerwehrleute unter eine EU-Richtlinie fallen, die ihre gesamte Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden begrenzt. So haben es sich die Bürokraten in Brüssel ausgedacht. Sie wollen die Feuerwehrleute vor Überlastung zu schützen - die aber wollen gar nicht geschützt werden.

"Dann müssen die Leute mitten im Einsatz ihre Sachen, ihre Ausrüstung fallenlassen. Dann wäre plötzlich mittendrin Schluss. Das ist natürlich schwer vorstellbar", beschwert sich Heinisch. "Wie hier jetzt im Fahrzeug: Ich kann jetzt nicht mehr, weil mein Stundenkontingent voll ist. Das ist völlig irreal, so kann man also auf keinen Fall hier noch einen gescheiten Bevölkerungsschutz sicherstellen", erklärt der Feuerwehrmann.